Analyse und Baubeschreibung – Projekt in Wien

I – Aktueller Zustand der Beschläge vor Baubeginn

Nach den Gesichtspunkten des Bundesdenkmalamtes könnte man wie folgt beschreiben:

Über 100 Jahre Benützung sind auch an den Beschlägen nicht spurlos vorübergegangen. Starke Abnutzung der Griffe an jenen Türen, die an den Hauptwegen liegen, Fehlerhaftigkeit bzw. teilweises Fehlen einzelner Beschläge. Durch unsachgemäße Benutzung sind verschiedene Beschläge auch verformt bzw. teilweise abgebrochen. Größtes Manko allerdings stellt die fehlende Funktionalität dar – große Benutzerfrequenz und schlechte Befestigung führen zu sehr „wackeligen“ Beschlägen.

Nach funktionalen Gesichtspunkten:
In den letzten hundert Jahren hat sich im Inneren der Türen technisch viel geändert:

  • Brandschutztechnische Eignung:
    Nicht gegeben.
  • Fluchttürtauglichkeit – Kröpfung des Griffes und geteilter Vierkantstift (und damit weniger Stabilität für die Griffe):
    Nicht gegeben.
  • Ausreichend feste Montage der historischen Beschläge:
    Die größte Herausforderung stellt die hohe Frequenz der Benutzung dar – dafür sind die historischen Beschläge technisch nicht ausgerichtet. Dazu müsste die Form der Befestigung geändert werden – die verwendeten historischen Messing-Holzschrauben an den Türschildern sind nicht geeignet, die Stabilität der Drücker bei hoher Frequenz langfristig sicherzustellen. Eine andere Form der Befestigung war historisch betrachtet nicht möglich.

II – Technische Vorgaben für die Funktionalität (historischer) Beschläge

Adaptierung der vorhandenen historischen Türgriffe

1. Außen sichtbare Arbeiten

  • Ausrichten der Griffe – technisch möglich
  • Anpassung der Drückerhälse – technisch möglich
  • verdeckte Anbringung eines Gewindeloches an der Unterseite des Drückerhalses
  • Reinigen und vorsichtiges Aufpolieren der Beschläge

2. Innenliegende Arbeiten, von außen nicht sichtbar

Die gem. Pkt.I.b. erforderlichen Änderungen sind äußerlich nicht sichtbar, aber nur hier kann man ansetzen, wenn man bei den historischen Beschlägen die äußere historische Optik bewahren und die Stabilität der Montage garantieren soll:

  • Verlängerung der Drückerstifte:
    Historische Originaldrücker haben auf einer Seite der Griffe einen mit dem Griff fest verbundenen Drückerstift (im Sandgussverfahren gegossen, Eisenstift bereits beim Gießen mit dem Drücker(-hals) fest verbunden) – dieser muss bei den Brandschutztüren verlängert werden, weil sich die Breite des Türblattes vergrößert hat.
  • Vergrößerung der Drückerstifte bei den Fluchttürschlössern:
    Hier müssen die Drückerstifte außen ein Maß von 8x8mm und im mittleren Bereich des Kastenschlosses ein Maß von 9x9mm aufweisen (nach Erfahrungen eines Mitarbeiters vor Ort, würden sich die sonst üblichen Aufsteckhülsen aufgrund der hohen Benutzerfrequenz nach relativ kurzer Zeit bereits abnutzen und wären dann nicht mehr brauchbar. Mit der unmittelbaren Folge, dass die Drücker „ein Spiel“ bekommen, d.h. leicht bewegt werden können ohne dass das Schloss auf diese Bewegung reagiert).
  • Anbringung einer Führungsöse auf der Innenseite der historischen Türschilder:
    In Verbindung mit einer ebenfalls notwendigen „Verlängerung“ des Drückerhalses im Bereich der Führungsöse.
  • Stabilere Befestigung der Türschilder:
    Bei den vorhandenen Schlosskästen bietet sich die Möglichkeit, zur Befestigung Hülsenschrauben durch eigens dafür vorgesehene Löcher im Schlosskasten zu schrauben; damit ergibt sich eine wesentlich stabilere Befestigung der Türschilder (natürlich sind die Hülsenschrauben von außen nicht zu unterscheiden von Messing-Schlitzschrauben, die in früheren Zeiten verwendet wurden).

Authentischer Neubau der vorhandenen historischen Türgriffe

Original Drückerhälse
Das Bild zeigt zwei Drückerhälse, oben mit einer großen Aufnahme, unten mit einer kleinen Aufnahme. Beide Aufnahmen sind original und noch nicht verlängert. All die in Punkt II.a. aufgezeigten Maßnahmen für mehr Stabilität können wir anhand neu angefertigter, historisch möglichst authentischer Musterbeschläge demonstrieren.

Nur bei einem Neubau könnten zusätzlich zu den oben beschriebenen technischen Adaptierungen auch noch die Durchmesser der Aufnahme bei den Drückerhälsen der einzelnen Drückergarnituren geändert werden werden. Ein größerer Durchmesser bei den Drückerhälsen und bei der Hülse im Türschild würde die „Stabilität“ der Griffe stark erhöhen.

Damit soll den Auftraggebern die Möglichkeit gegeben werden, sich für eine der beiden angebotenen Varianten zur Auftragsvergabe bei den Beschlägen entscheiden zu können:

  • Zeitgemäße Adaptierung der historischen Beschläge.
  • Möglichst authentischer Nachbau der einzelnen historischen Beschläge.

III – Kostenschätzung für Varianten II.a. und II.b.

In keiner der einzelnen Beschlägevarianten kann bei diesem Bauvorhaben mit einer hohen Stückzahl gerechnet werden. Vielmehr gibt es eine Vielzahl von Beschlägen mit geringer Stückzahl. Auf die Preisbildung wirken sich diese Faktoren wie folgt aus:

  1. Adaptierung der vorhandenen historischen Beschläge
    Bei der Adaptierung wirkt sich der Mengenvorteil einzelner Beschläge nicht aus. Hier müsste nach Zeitaufwand je notwendiger Arbeiten abgerechnet werden.
  2. Authentischer Nachbau der vorhandenen historischen Beschläge
    Auch hier kommt es durch die geringen Mengen je Beschlagvariante zu keiner nennenswerten Preisreduktion. Kosten verursachen vor allem der für jede Variante notwendige Formenbau.

IV – Versuch einer Beschreibung der notwendigen Restaurierungsarbeiten im Rahmen einer Ausschreibung

Definition Restaurierungsarbeiten: Darunter verstehen wir nicht bloß die optische Restaurierung im Sinne des Bundesdenkmalamt, sondern auch die damit notwendige Anpassung an die gegenwärtige Funktionalität der Türen und Schlösser und Ermöglichung einer dauerhaft stabilen Montage.

Türdrücker

Sanierung einer vorhandenen historischen Türdrücker-Garnitur.
Darunter fallen folgende Arbeitsschritte:

  • Ausrichten der Türgriffe.
  • Anpassung der Drückerhälse (Verlängerung der innenliegenden Drückerhälse zwecks besserer Führungsstabilität).
  • Verdeckte Anbringung eines  Gewindeloches an der Unterseite des Drückerhalses zur Fixierung der neuen Vierkantstifte.
  • Verlängerung fixer Drückerstifte 8x8mm (und evtl. Vergrößerung der Drückerstifte auf 9x9mm im Bereich der Position des Fluchttürschlosses).
  • Anbringung einer mindestens 10mm breiten Führungsöse auf der innen liegenden Seite (zum Türblatt) zwecks besserer Führungsstabilität.
  • Eventuell Entfernung eines vorhandenen Klarlackes und vorsichtiges Aufpolieren der verschiedenen Teile der Drückergarnitur (Drückergriff links/rechts, Türschilder bzw.  Rosettenschilder).
  • Verwendung passender Hülsenschrauben zwecks stabilerer Befestigung, dort wo es möglich ist.  Mit Messingschlitzschrauben mit Senkkopf.

Neubau historischer Türdrücker-Garnitur

Originalgetreuer Neubau eines vorhandenen historischen Türdrückers unter besonderer Berücksichtigung stabilitätssteigender Veränderungen im nicht sichtbaren Bereich des Beschlages gem. Pkt. IV.1.a.


Türbänder

3-teilige Türbänder (großes oder kleines Modell)

Sanierung und Adaptierung vorhandener historischer Aufsteckhülsen

Historische Aufsteckhülsen und ein Standard-VX-Band.
Historische Aufsteckhülsen und ein Standard-VX-Band.

Möglichst schonende Bearbeitung vorhandener Aufsteckhülsen und Adaptierung an die eigens dafür neu gebauten VX-Bänder, d.h. diese neuen VX-Bänder stellen den  funktionalen Teil des neuen Bandes dar. Die vorhandenen Aufsteckhülsen müssen so bearbeitet werden, dass sie auf diese VX-Bänder gesteckt werden können und diese  vollkommen abdecken.

Download: technische Zeichnung des umgebauten VX-Bandes, auf dem die historischen Aufsteckhülsen aufgebaut werden müssen.

Entfernung eines möglichen Klarlackes und Aufpolieren aller Teile des Bandes.

  • Neubau historischer Aufsteckhülsen (großes oder kleines Modell)
    Originalgetreuer Neubau vorhandener historischer Aufsteckhülsen wobei für die Bemaßung jene Maße gem. IV.2.aa. verwendet werden müssen.
  • Neubau historischer Schein-Lappenbänder passend für Aufsteckhülsen (großes oder kleines Modell)
    Originalgetreuer Neubau vorhandener historischer Lappenbänder passend für Aufsteckhülsen zur Verwendung als Schein-Lappenbänder (ohne Funktion); Maße gem.  IV.2.aa